Kindertagesbetreuung zwischen gesellschaftlicher Akzeptanz, strukturellem Personalmangel und wachsender Segregation Von der Normalität zur Krise
| Von Franz Neuberger, Mariana Grgic und Susanne Kuger Deutsches Jugendinstitut (DJI)
Die Kindertagesbetreuung ist zur tragenden Infrastruktur einer Gesellschaft geworden, die auf die Erwerbstätigkeit beider Elternteile setzt. Aktuell sind 42 Prozent aller Kita-Kinder von ungeplanten Schließungen betroffen, in mehr als 80 Prozent der Fälle wegen Personalmangels. Kausale Analysen zeigen, dass diese Schließungen das Wohlbefinden von Kindern und Müttern belasten — vor allem über die damit einhergehenden Qualitätseinbußen im laufenden Betrieb. Familien mit Einwanderungsgeschichte sind häufiger betroffen und stoßen auf wachsende Zugangsbarrieren, während bei Familien ohne besondere Belastungen die Nicht-Nutzung aufgrund von Qualitätsbedenken zunimmt.
Es droht eine weitere Segregationsdynamik. Der seit 2022 deutliche Geburtenrückgang böte die Chance, dem mit besseren Personalschlüsseln entgegenzuwirken — wenn eine gezielte Steuerung verhindert, dass die Ungleichheit zwischen den Einrichtungen weiter zunimmt. Der Beitrag bündelt Ergebnisse aus einem breiten Forschungsprogramm des DJI und skizziert Ansatzpunkte für eine evidenzbasierte Gegensteuerung.