Einzelne Artikel

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Die Hauptartikel jeder Ausgabe der Zeitschrift frühe Kindheit können ab dem Erscheinungsjahr 2012 als pdf-Datei bestellt werden.

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Wendepunkte im Kita-System:
Strukturwandel der Wachstumsjahre trifft auf neue demografische Rahmenbedingungen

| Von Kirsten Fuchs-Rechlin und Pascal Hartwich

In den vergangenen zwanzig Jahren war die Frühe Bildung vor allem durch eine enorme Wachstumsdynamik geprägt. Das hat zwar einerseits auf allen Systemebenen große Anstrengungen erfordert, um quantitative Bedarfe und qualitative Anforderungen auszubalancieren, andererseits haben sich damit aber auch die Arbeitsmarktchancen und die Beschäftigungsbedingungen des Personals verbessert. Mittlerweile kehrt sich diese Entwicklung jedoch aufgrund des Geburtenrückgangs in Ost- und Westdeutschland um. Der Beitrag zeichnet die Personalentwicklung der vergangenen 20 Jahre anhand zentraler Befunde des Fachkräftebarometers Frühe Bildung nach und diskutiert die Perspektiven des Personals angesichts aktueller demografischer Herausforderungen.
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Von der Systemrelevanz zur Vertrauenskrise
Kindertagesbetreuung zwischen gesellschaftlicher Akzeptanz, strukturellem Personalmangel und wachsender Segregation Von der Normalität zur Krise

| Von Franz Neuberger, Mariana Grgic und Susanne Kuger Deutsches Jugendinstitut (DJI)

Die Kindertagesbetreuung ist zur tragenden Infrastruktur einer Gesellschaft geworden,  die auf die Erwerbstätigkeit beider Elternteile setzt. Aktuell sind 42 Prozent aller Kita-Kinder von ungeplanten Schließungen betroffen, in mehr als 80 Prozent der Fälle wegen Personalmangels. Kausale Analysen zeigen, dass diese Schließungen das Wohlbefinden von Kindern und Müttern belasten — vor allem über die damit einhergehenden Qualitätseinbußen im laufenden Betrieb. Familien mit Einwanderungsgeschichte sind häufiger betroffen und stoßen auf wachsende Zugangsbarrieren, während bei Familien ohne besondere Belastungen die Nicht-Nutzung aufgrund von Qualitätsbedenken zunimmt. 

Es droht eine weitere Segregationsdynamik. Der seit 2022 deutliche Geburtenrückgang böte die Chance, dem mit besseren Personalschlüsseln entgegenzuwirken — wenn eine gezielte Steuerung verhindert, dass die Ungleichheit zwischen den Einrichtungen weiter zunimmt. Der Beitrag bündelt Ergebnisse aus einem breiten Forschungsprogramm des DJI und skizziert Ansatzpunkte für eine evidenzbasierte Gegensteuerung.

 
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Qualität zwischen Zeitressourcen und Systemstabilität
Vier Thesen aus Trägerperspektive – mit Impulsen für Fachpolitik und Forschung

| Von Stefan Spieker und Nele Hage

Der Fachkräftemangel in der frühen Bildung wird meist vor allem als quantitatives Problem diskutiert: Zu wenig Personal gefährdet Qualität, Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe. Doch diese Perspektive greift zu kurz. Ein guter Fachkraft-Kind-Schlüssel ist eine wichtige Voraussetzung für pädagogische Qualität, aber kein Qualitätsversprechen. Entscheidend sind die reale Verfügbarkeit und Stabilität des Personals im Alltag. Krankheitsbedingte Ausfälle und unbesetzte Stellen zwingen Einrichtungen immer wieder in den Notfallbetrieb, reduzieren Planung und Reflexion und schwächen die Kontinuität von Beziehungen und Interaktionen. Der Stabilitätsfaktor sollte deshalb systematisch mit Qualitätsfragen verknüpft und in Steuerungslogiken stärker berücksichtigt werden. Der Beitrag formuliert vier Thesen zur Fachkräftedebatte und plädiert dafür, Qualität, Personal und Steuerung differenzierter zu betrachten - auch im Dialog von Wissenschaft und Praxis.

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Fachkräftemangel in Kitas: Warum Kinderschutz, Quereinstiege und Chancengerechtigkeit zusammen gedacht werden müssen
| Fragen von Prof. Dr. Sabine Walper an Sandra Clauß, Leiterin des Fachbereichs „Kinder und Familie“ im Landesjugendamt des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in Nordrhein-Westfalen (NRW)
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Gesunde Fachkräfte, zufriedene Kinder? Strukturelle und prozessuale Bedingungen für Wohlbefinden in Kindertageseinrichtungen
| Von Rahel Dreyer, Susanne Geister und Andre Beinrucker

Der Beitrag untersucht auf Grundlage des IFAF1-Verbundprojekts „Gesunde Kita: Gesunde Fachkräfte – zufriedene Kinder“ den Zusammenhang zwischen strukturellen und prozessualen Rahmenbedingungen, dem Wohlbefinden von Kindern im Alter von zwölf bis 36 Monaten sowie der Gesundheit pädagogischer Fachkräfte. Hintergrund sind zunehmende Belastungen im Kita-Alltag, die sich unter anderem in hohen Krankenständen widerspiegeln.
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Geburteneinbruch trotz hoher Kinderwünsche: Aktuelle Entwicklungen in Deutschland und Europa
I Von Martin Bujard und Carmen Friedrich

Deutschland hat seit 50 Jahren sehr niedrige Geburtenraten, und das Alter der Mütter bei der ersten Geburt ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen. In den 2010er Jahren erlebte die Geburtenrate durch familienpolitische Reformen einen international viel beachteten Anstieg. Seit 2022 ist sie europaweit im Kontext multipler Krisen ein gebrochen. Allerdings sind die Kinderwünsche junger Frauen und Männer in Deutsch land und Europa höher als die tatsächlichen Geburtenraten. Im Schnitt halten Frauen und Männer in Deutschland sogar 2,2 Kinder für ideal.

Die niedrigen Geburtenraten haben langfristig erhebliche negative Auswirkungen auf Renten-, Pflege- und Gesundheitssystem sowie unseren Wohlstand – man sieht es heute bereits. Arbeitsmarkt, Medien und Politik können zu besseren Rahmenbedingungen für Familien und mehr Geburten beitragen. Dazu gehören insbesondere verlässliche Kinderbetreuungsangebote, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle sowie bezahlbarer Wohnraum für Familien, die die Umsetzung bestehender Kinderwünsche sowie die Lebenswirklichkeit von Familien mit Kindern erleichtern können.
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„Es geht nicht um ein Mehr an neuer Diagnostik oder Untersuchungen, sondern oft um ein Mehr an Wissen und ein Mehr an Vernetzung“
„Es geht nicht um ein Mehr an neuer Diagnostik oder Untersuchungen, sondern oft um ein Mehr an Wissen und ein Mehr an Vernetzung“ 

| Fragen von Prof. Dr. Jeanette Roos an Prof. Dr. Michael Kölch, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter an der Uni-Klinik Rostock
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Neurodiversität in der frühen Kindheit
Neuroaffirmative Pädagogik in der frühen Kindheit 
Grenzen eines Konzepts im Lichte evidenzbasierter Diagnostik und Behandlung


| Von Frank W. Paulus und Eva Möhler

Neurodiversität bezeichnet die natürliche Vielfalt in Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, Aufmerksamkeit, Emotion, Motorik und Sozialverhalten innerhalb der menschlichen Population. Dysfunktionalitäten, Defizite und Störungen werden nicht als solche, sondern allein als Varianten menschlicher Entwicklung verstanden. Diese Unterschiede sind graduell und dimensional, nicht kategorial, daher gibt es keine klare Trennlinie zwischen „normal“ versus „defizitär“ oder „gestört“.
Das Konzept der Neurodiversität setzt eher auf Dauerhaftigkeit, Akzeptanz und Normalisierung einer Andersartigkeit, was im klinischen Kontext überforderter, hochbelasteter und verzweifelter Eltern in den Säuglings- und Kleinkindambulanzen in der Regel nicht ausreichen würde, denn um häusliche Eskalationen wie zum Beispiel Kindesmisshandlung und Schütteltraumasyndrom zu verhindern – die bei sogenannten ‚Schreibabys‘, ebenso wie überhaupt in der frühen Kindheit, häufiger auftreten, muss oft rasch umfassende klinische Hilfe angeboten werden. Diese kann es ohne eine Diagnose und den differentialdiagnostischen Ausschluss somatischer Diagnosen (z. B. GÖR, Otitis, Fraktur) – und damit einen Störungsbezug – derzeit nicht geben. Was nicht heißt, dass das Konzept nicht – insbesondere mit seiner Ressourcenorientierung – mitgedacht werden kann, aber es ist alleinig in der klinischen Versorgungsrealität bei weitem nicht ausreichend und unter Umständen sogar riskant, wie im Verlaufe des Artikels klarwerden wird.
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